Natürliche Familienplanung - die symptothermische Methode

   Andere natürliche Methoden - Geschichte und Aktualität

   Die Vorstellung, dass der weibliche Zyklus etwas regelmäßiges ist, reicht lange zurück. Die ersten Quellen stammen von bekannten Philosophen der Antike und von jüdischen Texten.

   Heutzutage gibt es verschiedenste Methoden, von denen die symptothermische die zuverlässigste ist. Die Wirksamkeit anderer ist sehr umstritten, obwohl sie immernoch angewendet werden.

   Die Kalender- oder Ogino-Knaus-Methode

   Die ersten wissenschaftlichen Kenntnisse über die fruchtbare Phase gehen zurück auf die Gynäkologen Ogino (Japan) und Knaus (Österreich). Unabhängig voneinander entdeckten diese Gynäkologen, dass der Eisprung zwischen 12 und 16 Tagen vor der nächsten Monatsperiode stattfindet. Die von Ogino und Knaus erarbeiteten Regeln bestimmen die unfruchtbaren Phasen abhängig von der Dauer der vorherigen Zyklen (Kalendermethode). Zu seiner Zeit wurde diese methode als großer Fortschritt angesehen. Sie ist jedoch nicht völlig zuverlässig und heute nicht mehr empfehlenswert.

   Temperaturmethode

   Bassiert auf Schwankungen der Grundtemperatur der Frau (Ruhetemperatur, morgens vor dem Aufstehen) während des Monatszyklus. Der Holländer Van de Velde brachte als erster Temperatur und Eisprung miteinander in Verbindung. Der erste, der entschied dieses Wissen auf die Familienplanung anzuwenden war der Pfarrer Wilhelm Hillebrand im Jahr 1953.
   1954 veröffentlichte der deutsche Gynäkologe Gerhard Döring ein für den Leser leicht verständliches Handbuch welches die Methode weit verbreitete.
   Es handelt sich um eine zuverlässigere Methode als die Kalendermethode, ist aber weniger sicher als die symptothermische oder Billingsmethode, da durch die Temperaturkontrolle jediglich die unfruchtbaren Tage nach dem Eisprung vorausgesehen werden können.
Wer jedoch nur die fruchtbaren Tage nach dem Eisprung feststellen möchte, für den ist diese Methode die effektivste, sogar effektiver als die symptothermische. Angewendet wird sie bei Frauen, die aufgrund medizinischer Ursachen nicht schwanger werden können (schwere angeborene Krankheiten der Eltern oder zum Beispiel Herzkrankheiten der Mutter). In diesem Fall muss auf Geschlechtsverkehr vor dem Eisprung verzichtet werden oder geeignete Verhütungsmittel zur Ergänzung in Anspruch genommen werden.

   Eisprung- oder Billingsmethode

   Der australische Neurologe John Billings begann um 1960 mit der Entwicklung dieser Methode. Die aktuelle Version bassiert einzig auf der Beobachtung der Zerfixsekrete. Sie ist weniger zuverlässig als die symptothermische Methode, da sie sich bei der Beurteilung nur auf den Faktor Schleim stützt.

   Die Schleim-Temperatur-Methode

   Ebenso wie die symptothermische Methode berücksichtigt sie den Schleim und die Temperatur, jedoch nicht das Abtasten des Gebärmutterhalses.

   Die zyklusthermische Methode

   Schätzt die fruchtbare Phase in der Zeit vor dem Eisprung anhand von Berechnungen, sowie die Fruchtbarkeit vor dem Eisprung anhand der Temperatur.


   Die MELA-Methode - Laktations-Amenorrhöe-Methode

   Bei der MELA-Methode geht man davon aus, dass man während der ersten sechs Monate nach der Geburt unfruchtbar ist, soweit zwei Bedingungen erfüllt werden:
- das Baby wir ausschließlich mit Muttermilch ernährt
- seit der Geburt ist es zu keiner Blutung gekommen

   Wenn eine dieser Bedingungen nicht erfüllt ist, muss man von einer fruchtbaren Phase ausgehen und die anderen Faktoren (Schleim, Temperatur, Gebärmutterhals) berücksichtigen um die unfruchtbaren Phasen zu ermitteln.


   Symptothermische Methode

   Die symptothermische Methode kombiniert im wesentlichen die Beobachtung der Körpertemperatur und der Zervixsekrete oder des Gebärmutterhalses. Sie gilt als die zuverlässigste der Methoden der natürlichen Familienplanung, da die Beobachtung mehrerer Anzeichen oder Sympthome eine genaue Bestimmung der fruchtbaren und unfruchtbaren Phase erlaubt.

   Zum ersten Mal bekannt wurde die Methode 1965 durch den österreichischen Arzt Josef Rötzer.

   In den Jahren 1977 und 1978 wurde in Kalkutta eine Studie zu einem Programm der Einführung der symptothermischen Methode in diesem Gebiet durchgeführt. Geleitet wurde diese von den Missionarinnen der Karitas der Mutter Teresa von Kalkutta in Zusammenarbeit mit dem Indial Council of Medical Research (der indische Rat für medizinische Forschung). Abgesehen von seiner Effektivität (Pearl-Index zwischen 0,2 und 0,3) weckte die Studie weite Zustimmung sowie Beliebtheit.

   1981 wurde in Deutschland die Arbeitsgruppe NFP (Natürliche Familienplanung) gegründet, welche zwischen 1984 und 1991 anhand eines Projektes gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Grundlagen der symptothermischen Methode erarbeitete, wie sie heute in Deutschland angeboten wird.
Eine fachübergreifende wissenschaftliche Arbeitsgruppe gewährleistete die medizinische, pädagogische und psychologische Betreuung dieses Proyektes. Diese Gruppe bestand aus Mitgliedern verschiedener Universitäten sowie hauptsächlich der Universität Düsseldorf.

   Die auf dieser Seite erklärte Methode wurde von der deutschen Arbeitsgruppe NFP erarbeitet.

   Die WHO hat die symptothermische Methode als eine der natürliche Methoden anerkannt und einige Gebrauchsrichtlinien erarbeitet, die mit denen der deutschen Arbeitsgruppe in etwa übereinstimmen.